Warum korkt Wein und wie erkennt man es?

Warum korkt Wein und wie erkennt man es?

Felix Dangel
Das Wichtigste in Kürze - Warum Korkt Wein?
  • Warum korkt Wein? Korkender Wein entsteht nicht durch falsche Lagerung, sondern durch die chemische Verbindung TCA, die oft über den Naturkorken in die Flasche gelangt.
  • Ist gekorkter Wein ungesund? Ein sogenannter „Korkschmecker“ ist gesundheitlich völlig unbedenklich, verdirbt aber durch einen muffigen Geschmack nach alter Zeitung jeden Genuss.
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Das Essen ist angerichtet, der Wein dekantiert und die Gäste sind bester Laune. Doch beim Anstoßen passiert es: statt feiner Aromen entfaltet sich am Gaumen eine herbe Enttäuschung. Dass Wein korkt, zählt zu den größten Ärgernissen der Genuss-Industrie und kann selbst renommierte Weingüter zur Verzweiflung bringen. Doch wie entsteht das altbekannte Phänomen und wie können wir uns als Weintrinker davor schützen?

Weinkeller mit Weinfässern in Stuttgart.

Warum korkt Wein?

Gerade unter Wein-Einsteigern hält sich oft das hartnäckige Missverständnis, korkender Wein entstehe durch unsachgemäßes Öffnen oder eine falsche Lagerung der Flasche. Tatsächlich kann ein Korken durch eine stehende Lagerung der Weinflasche austrocknen und spätestens beim Öffnen Splitter an den Wein abgeben. Diese Partikel lassen sich jedoch meist herausfiltern und stellen nur selten ein größeres Problem dar. Der eigentliche Bösewicht in unserem Wein-Krimi heißt “TCA”. Diese fachlich korrekt “2,4,6- Trichloranisol" genannte chemische Verbindung macht selbst Spitzenweine gänzlich ungenießbar. Sie entsteht durch die Reaktion von natürlich im Kork vorkommenden Pilzen mit bestimmten Chlorstoffen, welche häufig in Reinigungsmitteln, Holzschutzmitteln und zur Desinfektion eingesetzt werden. TCA, der Endgegner jedes edlen Tropfens, kann sich auch auf behandelten Fässern, kontaminierten Keltereigeräten oder Verpackungen befinden und so seinen Weg in die Flasche finden. Es wäre daher ungerecht, dem stilechten Weinkorken sämtliche Verantwortung für einen der gravierendsten Wein-Fehler zuzuschreiben.

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— Felix Dangel

Naturkork – der Rockstar der Weinindustrie:

Für Genusstrinker gehört Kork zu Wein, wie Bonnie zu Clyde. Neben seiner Funktion als Hüter edler Abfüllungen, kann das meist aus Spanien und Portugal stammende Naturprodukt auch einen hervorragenden Ökologischen Fußabdruck vorweisen. So kann ein aus der Rinde des Korkbaums gestanzter Korken dieselbe Menge Kohlendioxid binden, welche bei der Herstellung einer Weinflasche freigesetzt wird.

Dennoch werden Dir auf Deinem Streifzug durch die Weinregale zunehmend Flaschen mit Schraubverschlüssen begegnen. So werden mittlerweile Weine jeden Alters und Charakters mit Leichtmetall gekrönt, womit sich ein mancher Kenner erst anfreunden muss. Diese Entwicklung ist jedoch keinesfalls ein modernes Phänomen, vielmehr fanden erste Versuche hierzu bereits in den 1960er Jahren in Australien und der Schweiz statt. Zahllose Studien belegen weiterhin: wer einen Wein aufschraubt, muss keinesfalls seine Ansprüche herunterschrauben. Ein guter Tropfen erhält beim Abfüllprozess ausreichend Sauerstoff, um auch luftdicht verschlossen noch auf der Flasche reifen zu können. Auch lassen sich Flaschen mit Drehverschluss bedenkenlos stehend lagern und bieten Dir eine unschlagbare Flexibilität, beispielsweise im Rahmen einer Weinwanderung.

Weinprobe in einem Weinkeller.

Kann man Wein trinken, wenn er korkt?

Die gute Nachricht vorweg auf die häufige Frage, ist korkiger Wein trinkbar? – lautet: auch fehlerhafter Wein kann getrunken werden. Allerdings liegt die Crux hierbei, wie so oft im Leben, zwischen “Können” und “Wollen”. Die Menge an gebildeten Schadstoffen ist für Dich gesundheitlich unbedenklich, für Deinen Gaumen allerdings meist eine Strafe. Korkiger Wein, der sogenannte “Korkschmecker”, kommt charakteristisch muffig, flach und völlig enttäuschend daher. Ein Riesling verliert durch den Prozess seine kernige Säure, ein Burgunder seine herrliche Beerigkeit. Doch wie schmeckt gekorkter Wein genau? Statt raffiniertem Weingenuss stellen sich meist Assoziationen von alter Zeitung, schlecht gelüftetem Keller und eine unangenehme Bitterkeit ein.

Weinwanderung in Baden-Württemberg.

Auch das Kochen mit korkendem Wein ist ein eher zweischneidiges Schwert und kann Dein Gericht schnell geschmacklich verderben. Wenn ein Wein nach Kork schmeckt, ist er daher meist ein Fall für den Ausguss. Edle und kostspielige Tropfen kannst Du jedoch oft zurückgegeben und ersetzen lassen. Im Zweifelsfall ist Deine Reklamation sogar ein wertvoller Hinweis für die Weinmacher, ihre Produktionskette, die Kork-Anlieferungen oder bestimmte Chargen eingehend zu untersuchen.

Wie lange ist Wein nach dem Verkorken noch genießbar?

Auch wenn der Wein nicht direkt korkt, erreicht ein jeder Wein irgendwann einmal seinen Zenit und möchte getrunken werden. Die Haltbarkeit einer Flasche ist hierbei von vielen Faktoren abhängig. So spielen Säure, Alkoholgehalt, Tannine, Schwefel, Restzucker, die Verarbeitung und nicht zuletzt die Rebsorte selbst eine Rolle.

Generell gilt: für eine optimale Haltbarkeit solltest Du jeden Wein kühl und lichtgeschützt lagern, verkorkte Weine stets liegend. Wer einen Tropfen bewusst auf der Flasche nachreifen möchte, informiert sich bestenfalls über die sortenspezifische Lagerfähigkeit, statt verallgemeinerten Faustregeln zu folgen. Ist ein Wein jedoch einmal geöffnet, gibt es recht verlässliche Verhaltensregeln. Offene Weine, egal ob Weiß oder Rot, wandern verschlossen in den Kühlschrank. Im Idealfall verwendest Du den originalen Verschluss, ein Korken wird hierbei stets in der ursprünglichen Ausrichtung wieder in die Flasche eingeführt. Geöffnete und nicht vollständig ausgetrunkene Flaschen solltest Du prinzipiell zeitnah wieder verschließen, um den Sauerstoffaustausch gering zu halten. Diese Maßnahme ist nicht zu verwechseln mit der Praxis des Karaffierens, der bewussten Zuführung von Sauerstoff zur vollen Entfaltung des Geschmacksprofils.

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— Felix Dangel

Prinzipiell startet das Öffnen einer Weinflasche stets einen Wettlauf gegen die Zeit. Zwar halten sich beispielsweise mit Branntwein angereicherte Likörweine wie Madeira ein ganzes Menschenleben lang und können bei korrekter Lagerung selbst nach dem Öffnen noch monatelang genossen werden. Klassische Weine solltest Du jedoch innerhalb weniger Tage nach ihrem Anbruch genießen, sofern Du der Flasche nicht mit Profi-Equipment zu Leibe rückst. Nase und Gaumen sind im Zweifelsfall immer Deine verlässlichsten Berater. Ein Wein ist so lange trinkbar, wie er Dir schmeckt.

Was ist also zu tun, wenn eine frisch geöffnete Flasche einfach nicht den erhofften Weingenuss bringt?

Solltest Du trotz aufwendiger Kontrollen und fortlaufender Optimierungen seitens der Wein-Industrie doch einmal Opfer eines Korkschmeckers werden, lass den Kopf nicht hängen. Erinnere Dich an den langen Weg des Weins von der Rebe über die Kelter in das Fass bis hin zur Flasche. Du kaufst ein lebendiges Stück Kulturgut, welches - wie sämtliches Leben auf unserem Planeten - Fehler und Macken haben kann. Versuche, die betroffene Flasche umzutauschen und freue Dich schon währenddessen umso mehr auf Deinen zweiten Anlauf. Möglicherweise verläufst Du Dich genau wegen eines solchen Weinfehlers in die spannende Welt der Winzerei und findest Dich schon bald bei einer Weinwanderung in den Steillagen oder einem atmosphärischen Tasting im Gewölbekeller wieder.