- Welche Geschmacksrichtungen gibt es bei Wein?
- Was sind Wein-Geschmacksrichtungen konkret?
- Feinherb ist der inoffizielle Liebling:
- Was ist der Unterschied zwischen trocken und lieblich?
- Welche Weine passen zu welcher Geschmacksrichtung?
- Warum die Balance entscheidend ist:
- Die Geschmacksnoten beim Schaumwein:

- Die offizielle Geschmacksrichtung von Wein wird in Deutschland primär durch den Restzuckergehalt bestimmt (trocken bis süß).
- Schaumweine folgen einer anderen Nomenklatur, bei der „trocken“ bereits eine spürbare Süße bedeutet; für echte Trockenheit sollte man zu „Brut“ greifen.
- Wein-Geschmacksrichtungen selber probieren: Besuche Winetasia in Stuttgart und besuche eine Weinprobe mit Gameshon.
Kennst Du das? Du stehst im Supermarkt vorm Weinregal, willst einen guten Wein für den Abend kaufen und dann diese Begriffe auf dem Etikett: trocken, feinherb, lieblich, etc. Welche Wein-Geschmacksrichtung passt jetzt zu mir und was bedeutet das eigentlich genau?
Keine Sorge, das geht vielen so. Die Geschmacksangaben von Wein auf der Flasche sind oft der erste Anhaltspunkt, um herauszufinden, ob ein Wein zu Dir passt. Wir schauen uns gemeinsam an, was hinter den verschiedenen Begriffen steckt, damit Du beim nächsten Einkauf oder bei der nächsten Weinprobe genau weißt, wovon die Rede ist.

Welche Geschmacksrichtungen gibt es bei Wein?
Die auf dem Etikett angegebene Geschmacksrichtung von Wein wird durch den Restzuckergehalt bestimmt. Das ist der Zucker, der nach der Gärung noch im Wein übrig bleibt.
Logisch: Je mehr Restzucker, desto süßer der Wein. In Deutschland sind die Geschmacksangaben gesetzlich geregelt und teilen Weine in vier Hauptkategorien:
Die Vier Geschmacksrichtungen von Wein in Deutschland:
- Trockener Wein
- Halbtrockener Wein
- Lieblicher Wein
- Süßer Wein
Diese Abstufungen geben Dir eine gute Orientierung, wie viel Süße Dich erwartet.

Was sind Wein-Geschmacksrichtungen konkret?
Schauen wir uns die offiziellen Definitionen an. Hier wird's nämlich präzise, denn jede Geschmacksnote von Wein wird über Gramm Restzucker pro Liter definiert:
Trockener Wein:
Bis 4 Gramm pro Liter (oder bis 9 Gramm pro Liter, wenn der Säuregehalt maximal 2 Gramm pro Liter niedriger ist). Der Wein schmeckt kaum süß. Die Süße ist minimal und wird von den meisten Menschen gar nicht wahrgenommen.
Halbtrockener Wein:
Hier sind es 9 bis 18 Gramm pro Liter (Restzucker darf maximal 10 Gramm pro Liter über dem Säuregehalt liegen). Hier schmeckst Du eine dezente Restsüße. Der Wein wirkt ausgewogen und harmonisch – ein guter Kompromiss für viele Gelegenheiten.
Lieblicher Wein:
Hier sind es 18 bis 45 Gramm pro Liter. Jetzt wird's deutlich süßer. Die Süße ist klar zu schmecken, aber wir reden noch nicht von einem Dessertwein.
Süßer Wein:
Über 45 Gramm pro Liter. Sehr süß. In diese Kategorie fallen edelsüße Weine wie Beerenauslesen oder Eisweine.
Feinherb ist der inoffizielle Liebling:
Interessant wird es beim Begriff "feinherb". Anders als trocken, halbtrocken, lieblich und süß ist die Wein-Geschmacksrichtung feinherb nämlich kein gesetzlich geschützter Begriff im deutschen Weingesetz.
Winzer nutzen diese Bezeichnung gerne für Weine, die im Bereich des Halbtrockenen liegen, aber eine etwas betontere, harmonischere Restsüße haben. Es ist eine stilistische Angabe, die Dir signalisiert: Hier erwartet Dich eine angenehme, feine Süße. Nicht so neutral wie trocken, aber auch nicht so süß wie lieblich.
Meistens liegt der Restzucker bei feinherben Weinen zwischen 12 und 18 Gramm pro Liter, also im oberen Bereich des Halbtrockenen oder knapp darüber. Ein Begriff, der Spielraum lässt und genau das macht feinherben Wein für viele Winzer attraktiv.
Was ist der Unterschied zwischen trocken und lieblich?
Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen trocken und herb? Kurz gesagt: Nein, nicht wirklich. "herb" ist wie "feinherb" kein offizieller, gesetzlich definierter Begriff. Im deutschen Sprachraum wird herb meist als Synonym zu trocken verwendet, also für Weine mit wenig bis gar keinem Restzucker.
Was viele nicht wissen:
Das trockene, pelzige Mundgefühl beim Weintrinken hat nichts mit der Bezeichnung "trocken" zu tun. Dieses Gefühl kommt von den Gerbstoffen (Tanninen), nicht vom fehlenden Zucker. Ein verbreiteter Irrtum.
Manchmal hörst Du "herb" auch in Bezug auf Rotweine, die besonders kräftig, würzig oder gerbstoffbetont sind, die also einen etwas rauen, weniger weichen Charakter haben. Aber im Normalfall bedeutet herb einfach: trocken, kaum Restzucker.
Das jeweilige Geschmacksprofil von Wein hängt also von weit mehr ab als nur vom Zucker.

Welche Weine passen zu welcher Geschmacksrichtung?
Die Wein-Geschmacksnote ist übrigens nicht fest an eine Rebsorte gebunden. Der Winzer entscheidet durch den Zeitpunkt der Lese und den Gärprozess, wie süß oder trocken ein Wein wird. Trotzdem gibt es typische Beispiele für verschiedene Geschmacksnoten von Wein:
- Trocken: Riesling (Kabinett, Spätlese), Grauburgunder, Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon, Merlot. (Perfekt zum Essen, da die fehlende Süße die Aromen der Speisen nicht überdeckt.)
- Halbtrocken: Müller-Thurgau, Kerner, Dornfelder (häufig). (Ausgewogen und unkompliziert, ein guter Alltagswein.)
- Lieblich: Scheurebe, Gewürztraminer, manche Spätlesen. (Passt gut zu leichten Desserts oder als Aperitif, wenn Du es gerne etwas süßer magst.)
- Süß: Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein, Sauternes. (Klassische Dessertweine mit hoher Konzentration und Komplexität.)

Warum die Balance entscheidend ist:
Hier kommt ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Jede spezifische Wein-Geschmacksnote kann variieren. Ein Wein mit viel Restzucker kann trotzdem frisch und lebendig schmecken, wenn er eine hohe, knackige Säure hat. Die Säure gleicht die Süße aus, man sagt auch, sie "schluckt" einen Teil davon.
Ein perfektes Beispiel ist der Riesling. Selbst ein lieblicher Riesling kann durch seine natürliche, rassige Säure elegant und überhaupt nicht klebrig wirken. Das ist die Kunst des Weinmachens: die Balance zwischen Süße, Säure und Gerbstoffen. Wenn Du das nächste Mal einen Wein probierst, achte nicht nur auf die Süße. Schmeck auch auf die Säure und bei Rotweinen auf die Tannine. Erst das Zusammenspiel dieser Komponenten macht den vollen Charakter eines Weins aus.
Die Geschmacksnoten beim Schaumwein:
Während bei stillen Weinen die Geschmacksangaben noch halbwegs überschaubar sind, wird's bei Schaumwein, also Sekt, Champagner, Prosecco und Co., richtig verwirrend. Hier gibt es eine komplett eigene Klassifizierung, die international verwendet wird:
- Brut Nature / Zero Dosage: 0-3 Gramm pro Liter (Extrem trocken, kein Zucker wurde hinzugefügt.)
- Extra Brut: 0-6 Gramm pro Liter (Sehr trocken mit minimaler Süße.)
- Brut: 0-12 Gramm pro Liter (Trocken – und das ist die gängigste Kategorie bei Schaumweinen.)
- Extra Sec / Extra Trocken: 12-17 Gramm pro Liter (Leicht süßlich. Hier wird's schon verwirrend.)
- Sec / Trocken: 17-32 Gramm pro Liter (Merklich süß – obwohl "trocken" draufsteht)
- Demi-Sec / Halbtrocken: 32-50 Gramm pro Liter (Deutlich süß.)
- Doux / Mild: Über 50 Gramm pro Liter (Sehr süß.)
Achtung, Verwechslungsgefahr. Ein Sekt mit der Bezeichnung "trocken" (französisch: Sec) ist deutlich süßer als ein stiller Wein mit der gleichen Bezeichnung. Willst Du einen wirklich trockenen Schaumwein, greif zu "Brut" oder "Extra Brut". Diese unterschiedliche Nomenklatur sorgt immer wieder für Verwirrung, aber jetzt weißt Du Bescheid.
Am Ende hilft nur eins: Probieren. Jetzt kennst Du zumindest die Fachbegriffe und weißt, was Dich ungefähr erwartet. Finde heraus, welche Balance Dir am besten schmeckt und lass Dich nicht von komplizierten Bezeichnungen abschrecken. Wein trinken soll ja vor allem Spaß machen.












