- Kohlemalerei ist eine ausdrucksstarke Erfahrung: Du arbeitest direkt mit dem Material, verwischst Kontraste und konzentrierst Dich voll auf das Spiel aus Licht und Schatten.
- Papier ist besser als Leinwand: Beginne am besten mit hellen Tönen auf Papier, starte mit abstrakten Formen und habe vor allem Spaß an Deinem kreativen Prozess.
- Gestalte Dein eigenes Kohlebild: Besuche creeativ in Hamburg und gestalte Dein eigenes Kohle-Bild im Kohlemalerei-Workshop.
Hell und dunkel - Dein Guide für Kohlemalerei:
Ich habe schon immer viel Zeit damit verbracht, Musik zu komponieren, Konzerte zu spielen und am Bildschirm Spiele zu programmieren. Aber vor drei Jahren, während eines einmonatigen Rückzugs in Finnland, entdeckte ich etwas ganz Neues: das zeichnen mit Kohle. Es fühlte sich an wie ein echter Neuanfang.

Ich freue mich riesig darauf, diesen Prozess mit Dir zu teilen, weil die Kohle-Kunst meine Sicht auf das Erschaffen völlig verändert hat. Obwohl ich mich selbst nicht als klassischen Künstler bezeichne und keine formelle Ausbildung habe, möchte ich Dir zeigen, wie toll man mit Kohle zeichnen kann. Lass mich Dich durch meinen Prozess führen.
Was ist Kohlemalerei?
Für mich ist die Kohlemalerei weniger ein Standard-Zeichenwerkzeug und vielmehr eine körperliche Erfahrung. Du nimmst buchstäblich ein Stück verbranntes Holz und ziehst es über eine Seite. Wenn Du Kohle zum malen nutzt, merkst Du schnell: Es ist ein wunderbar „schmutziges“ Medium, das danach verlangt, verwischt, verrieben und verblendet zu werden.
Du kannst das Medium bis zum Fotorealismus treiben, wenn Du das möchtest. Ich persönlich mag jedoch eher die ausdrucksstarke, expressive Kunst. Dabei ergänzt Dein Verstand die fehlenden Details einfach mit der eigenen Fantasie. Weil das Medium so unglaublich ausdrucksstark ist, kannst Du Dich beim malen mit Kohle voll und ganz auf den dramatischen Kontrast zwischen Licht und Schatten sowie auf die Bewegung Deiner Hand konzentrieren.

Was braucht man für Kohlezeichnungen?
Als ich anfing und die ersten Bilder mit Kohle zeichnen wollte, habe ich mir ein einfaches Starterset gekauft. Vielleicht ist es nicht die absolute Spitzenqualität, aber es ist ein einziger Kauf, und Du hast sofort alle grundlegenden Werkzeuge parat. Die meisten Sets enthalten folgende Dinge:

- Weidenkohle oder Rebenkohle: Das sind buchstäblich nur verkohlte Zweige. Sie sind superleicht. Die Striche, die sie machen, sind weich und lassen sich sehr leicht wieder wegwischen. Ich nutze sie für Deine ersten Skizzen.
- Gepresste Kohle & Kohlestifte zum zeichnen: Das ist das dunkle, schwere Material. Kohlenstaub wird dabei mit einem Bindemittel in eine Stift- oder Blockform gepresst. Ich greife danach, wenn ich tiefe, satte und kräftige Schatten brauche.
- Knetradiergummi: Das ist ein weicher, formbarer Radiergummi, der sich ein wenig wie Knetmasse anfühlt. Anstatt über das Papier zu rubbeln, drückst Du ihn auf die Oberfläche, um den Kohlenstaub sanft abzuheben.
- Papier mit Struktur (Körnung): Da Kohle im Grunde nur loser Staub ist, braucht sie eine raue Oberfläche, an der sie haften kann. Ich mag cremefarbenes Papier sehr gerne, oder zumindest eines, das nicht zu glänzend und weiß ist.
- Fixierspray: Nach einer Weile solltest Du Dir ein Fixierspray zulegen. Wenn Du fertige Kohle-Bilder zeichnen konntest, trägst Du dieses klare Spray ganz am Ende auf. So versiegelst Du den Kohlenstaub und Deine Werke verwischen nicht.
Ist Kohle auf der Leinwand oder auf Papier besser geeignet?
Als ich anfing, wurde mir empfohlen, Papier zu verwenden. Natürlich habe ich trotzdem versucht, auf Leinwand zu zeichnen. Ich habe ziemlich schnell gemerkt, warum das nicht gut funktioniert.
Die gewebte Struktur einer handelsüblichen Leinwand ist für Anfänger viel schwieriger zu handhaben und die Kohle haftet oft nicht richtig. Papier ist für Dich am Anfang einfach sehr viel leichter zu beherrschen, wenn Du Dich in das Medium einarbeitest. Außerdem kostet es auch deutlich weniger.

Ist das Malen mit Kohle schwer zu erlernen?
Das hängt davon ab, was Du unter „lernen“ verstehst. Für mich ist Kunst eine niemals endende Reise. Gerade beim Thema Kohlezeichnen für Anfänger wirst Du zumindest ein paar Versuche brauchen, um Dich mit dem Medium wirklich vertraut zu machen.
Hier sind meine Tipps für Deine ersten Versuche:
- Starte hell: Da es im Grunde um die Arbeit mit Licht und Schatten geht, solltest Du es am Anfang mit Deinen Tonwerten nicht übertreiben. Es ist viel einfacher, mit einem hellen Grau zu beginnen und es dann dunkler zu machen, als umgekehrt.
- Respektiere den Radiergummi: Der Knetradiergummi ist ein mächtiges Werkzeug. Er kann aber keine Wunder bewirken, wenn Du erst einmal reines, tiefes Schwarz in das Papier gedrückt hast!
- Vorsicht vor dem Verwischen: Kohle ist extrem empfindlich. Buchstäblich der kleinste Wischer kann Dein Werk ruinieren, besonders wenn Du versehentlich mit dem Handrücken über das Papier streichst.
Was solltest Du zeichnen?
Wenn Du anfangen möchtest und eigene Kohle-Bilder malen willst, folge am besten diesen Schritten:
- Starte abstrakt: Gewöhne Dich an die physikalischen Eigenschaften des Mediums. Wische, drücke und fühle, wie die Kohle reagiert.
- Wechsle zu Formen: Sobald Du Dich wohlfühlst, kannst Du zu grundlegenden Formen übergehen. Danach folgen vielleicht einfache Landschaften, Stillleben und Gesichter.
- Üben vs. Spaß haben: Denke immer daran, dass „Üben“ das eine ist und „Spaß haben“ das andere. Vergiss nicht, zu versuchen, etwas zu zeichnen, das Dir wirklich gefällt – auch wenn Du ganz genau weißt, dass es nicht sofort gelingen wird. Tu es einfach aus Spaß, das ist ein riesiger Teil der Freude.

















